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Donnerstag, 25. Februar 2016




                                                                   DIE DUNKLEN MÄCHTE

                                                                  von Pater Josef Hegglin MSC

                                          (mit freundlicher Genehmigung von Pater Hans Pittruff MSC )



                                         Pater Josef Hegglin (69) ist Schweizer Herz-Jesu-Missionar.
                             Er lebt und arbeitet in Nitra/Slowakei als Seelsorger/Exorzist und Therapeut.

Exorzist

Die Kirche verlangt, dass in jeder Diözese ein spezieller Dienst angeboten wird um Menschen zu helfen, die glauben vom Teufel oder von Dämonen belästigt zu werden. Es soll damit auch verhindert werden, dass sie Hilfe nicht bei irgendeinem Scharlatan suchen, Heiler, Magier oder Wahrsager. Der Bischof von Nitra bat mich für drei Jahre lang diese Aufgabe, d. h. das Amt eines Exorzisten zu übernehmen. Jede Woche empfange ich durchschnittlich drei bis vier Personen, die sagen, sie würden von irgendetwas „geplagt“. Einige meinen zu wissen, dass sie jemand verflucht hat oder ihnen durch schwarze Magie schaden will. In einigen Fällen mag dies zutreffen, bei den meisten – gottlob – nicht. Können körperliche oder psychische Krankheiten, Misserfolge im Geschäft oder in der Liebe, negative Gedanken usw. vom Teufel verursacht sein? Unmöglich ist es nicht. Die meisten Hilfesuchenden leiden an einem wirklichen, manchmal schweren Problem, das sie so schnell wie möglich loswerden möchten und hoffen, dass dies mit einem Gebet, dem sogenannten Exorzismus, möglich ist. Unser Glaube „funktioniert“ aber nicht so! Gott ist eine Person: Er will mit uns ein persönliches Verhältnis haben und bei vielen, die zu mir kommen, stimmt gerade dort etwas nicht. Würde ihnen gesagt, um sich ihres Leidens zu entledigen, sollen sie um Mitternacht bei Vollmond mitten in einer Wiese stehen und dreimal ein getötetes Huhn um sich schwingen… würden dies die meisten von ihnen tun. Was ich ihnen aber anrate macht viel mehr Sinn und ist auch einfacher: Sich allem voran Christus zu öffnen, Sakramente zu empfangen und regelmäßig zu beten, anders gesagt, Hilfe bei Gott suchen.
Man unterscheidet „gewöhnliche“ und „außergewöhnliche“ Aktivitäten dieser „negativen Wesen“, welche in der Hl. Schrift verschiedene Namen haben, allen voran der Teufel oder auch der Böse. Zum „Gewöhnlichen“ gehören die Versuchungen: Jeder Mensch wird in Gedanken, Sehnsüchten, Fantasien, Bedürfnissen und Gefühlen versucht etwas zu tun, das ihm und vielleicht auch anderen schadet, damit er letzten Endes das Ziel seines Lebens verfehlt. Die „außergewöhnlichen“ Aktivitäten des Teufels sind eindrucksvoller als die Versuchungen, jedoch viel weniger gefährlich! Durch Belästigungen und sogar durch Besessenheit geht die Beziehung zu Gott nicht verloren, durch Sünde hingegen ist dies möglich. Pater Pio hat am eigenen Leib erfahren, wie Satan peinigen, schlagen und quälen kann. Gut, dass dies eine Ausnahme ist!
Es ist geheimnisvoll, wie Gott nicht nur dem Menschen die Freiheit gibt Böses zu tun sondern auch diesen geistigen Wesen, unsere gefährlichsten Feinde. Alfons (die Namen aller in den Beispielen Aufgeführten sind geändert), ein fünfjähriger Bub, wollte plötzlich nur noch schlafen. Die Mutter ging mit ihm ins Spital, wo sie ihn künstlich ernähren mussten. Die Ärzte checkten dreimal alle möglichen Untersuchungen durch und fanden nichts. Täglich wurde Alfons schwächer und es war nur noch eine Frage der Zeit, bis er sterben würde. Da rief mich seine verzweifelte Mutter an und bat um Hilfe: Der Vater komme aus Afrika und jemand hätte ihr gesagt, ihr Kind sei verhext worden. Ich ging noch am späten Abend in die Intensivstation, wo es bewegungslos lag und betete auf Lateinisch einen Teil des sogenannten „Exorzismus“, in dem ich im Namen der Kirche dem Teufel befehle, wegzugehen. Am anderen Morgen begann Alfons* wieder zu essen und nach ein paar Tagen konnte er den Spital verlassen. Eine Ärztin sagte seiner Mutter, es sei ein Wunder geschehen.
Weniger dramatisch, aber gleichwohl unerträglich, können Zwangsstörungen sein, die oft teuflisch aussehen, es aber nicht sein müssen. Regelmäßig kommen Leute zu mir und bitten um Hilfe, weil sie innerlich gedrängt werden, gegen Gott oder irgendetwas Heiliges zu fluchen und zu lästern, besonders wenn sie in der Kirche sind. Je mehr sie sich dagegen wehren, desto stärker wird der Druck. Sie vermuten, dass dahinter der Teufel steckt, der ihr Verhältnis zu Gott vernichten wolle. In den meisten Fällen geht es aber um eine bekannte psychische Störung, der mit Medikamenten und Therapie geholfen werden kann.

Spiritismus

Die seltenste und zugleich spektakulärste „außergewöhnliche Art“, wie ein böser Geist einen Menschen angreifen kann, ist die Besessenheit. Dabei übernimmt er für eine gewisse Zeit die Kontrolle über den Körper des Befallenen. Vieles kann dazu führen Dämonen die Türe zu öffnen wie zum Beispiel Spiritismus. Mit der anderen Welt, mit Verstorbenen oder mit Geistern Kontakt aufzunehmen ist etwas Faszinierendes wenn man erlebt, dass es tatsächlich funktioniert! Aber zu welchem Preis…
Eines Tages rief mich eine Mutter an und sagte, ihre Tochter sei soeben von der psychiatrischen Klinik zurückgekommen, sitze auf der Couch neben ihr und zittere vor Angst. Lina ist 29 Jahre alt und war bereits zum vierten Mal drei Wochen lang im Spital. Was die Ursache ihrer tiefen Angst ist, der mit Medikamenten nicht beizukommen war, konnte nicht herausgefunden werden. Aber die Familie weiß es! Als Neunjährige rief Lina nur so zum Ausprobieren Geister. Und diese kamen! Das Kind stellte ihnen Fragen und bekam Antwort durch Bewegungen eines Ringes auf dem Tisch. Etwas später experimentierte sie mit Voodoo-Praktiken, von denen sie in einer Fernsehsendung erfahren hatte. Ihre Neugier und Faszination mit dem Okkulten wuchsen bis sie schließlich mit ihrem eigenen Blut mit diesen Mächten einen Bund schloss. Von da an ging es mit ihr rapide bergab: Angstzustände setzten ein und permanente Müdigkeit machte sie arbeitsunfähig. Jetzt suchte sie Hilfe im Gebet: aber nichts half mehr, so stark sie es auch bereute, zur Beichte ging und dem Teufel entsagte. Als ich dies erfuhr, vermittelte ich der Mutter Kontakt zum Exorzisten der Diözese, in der sie auf der anderen Seite der Slowakei lebt. Noch am gleichen Abend besuchte er die Familie und als er zu beten anfing, war „die Hölle los“: Der Teufel konnte sich nicht länger verstecken und es wurde sichtbar, dass Lina an Besessenheit leidet! Wie kann das konkret aussehen?

Besessenheit

Ich gab einer Gruppe Exerzitien in unserem Haus in Nitra. Während eines Einzelgesprächs fing Peter, etwa 35 jährig, plötzlich an zu knurren wie ein Hund. Sein Gesicht verfinsterte sich und wurde zu einer Fratze solchen Hasses, dass ich Angst bekam, aufstand und mich auf die Seite der Tür begab. Von da her redete ich weiter mit ihm und schlug vor, dass wir beten sollten aber nicht alleine: Es sollten noch zwei andere Personen dabei helfen. Er war einverstanden und am andern Tag waren wir zu viert in meinem Sprechzimmer. Ich begann zu beten und schon nach kurzer Zeit fiel Peter wie ohnmächtig auf den Boden. In diesem Zustande salbte ich seine Stirne mit gesegnetem Öl und betete weiter. Als er wieder zu sich kam, griff er sofort wütend an seine Stirne und riss sich fast die Haut aus. Dann drehte er sich um und rieb wie verrückt seinen Kopf auf dem Teppich hin und her. Dabei verwundete er sich an der Stirn und musste versorgt werden, konnte aber von jetzt an die Kommunion empfangen, was ihm vorher unmöglich war. Auf einer Predigtreise feierte ich eine Sonntagsmesse in einer großen Stadtpfarrei. Nach der Kommunion sprach ich ein freies Gebet und bat den Herrn um Heilung und Befreiung. Da schrie ein Mann in der ersten Reihe der vollen Kirche laut auf, rannte zur Seite, stürzte gegen die Mauer und blieb wie tot liegen. Unnötig zu sagen, dass nicht nur die Gläubigen sondern ich selber auch beeindruckt waren… Die Szene war wie im Evangelium, als in der Gegenwart Jesu böse Geister schreiend ausfuhren!

Ich bin überzeugt, dass viel mehr Unheil in der Welt auf die „dunklen Mächte“ zurückzuführen ist, als wir uns vor- stellen können. Satan ist der Feind, der in der Nacht Unkraut zwischen den Weizen sät und wieder verschwindet (Matthäus 13, 24-30). Hasssüchtig versucht er jedem Menschen, jeder Familie, jeder Gemeinschaft und Gesellschaft so großen Schaden wie möglich zuzufügen.
Mit den Erfahrungen, die ich in den ersten beiden Jahren als Exorzist gemacht habe, rate ich eindringlich: Hände weg von allem, was mit Okkultismus zu tun hat! Gott hat es verboten, weil es für uns zu gefährlich und schädlich ist.


Quelle: "Hiltruper Monatshefte"(März/April 2015)

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